Stationäre Behandlung – Informationen für Fachleute

Eine stationäre Behandlung am Deutschen Kinderschmerzzentrum ist bei etwa der Hälfte der Patient:innen notwendig. Sie kann erst nach ambulanter Vorstellung in unserer Schmerzambulanz erfolgen. Wenn sich Patient:innen und Eltern dann nach dem Ambulanztermin für die Aufnahme zur stationären Behandlung entscheiden, nehmen sie telefonisch Kontakt mit der Station auf. Am Deutschen Kinderschmerzzentrum gibt es zwei Schmerzstationen mit den Namen „Leuchtturm“ und „Paulas Haus“. Auf unseren Schmerzstationen behandeln wir im Jahr etwa 300 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit chronischen Schmerzen. Die Behandlung in Paulas Haus dauert drei Wochen, auf der Station Leuchtturm dauert sie 3 bis 4 Wochen.

Die Schmerzstation Leuchtturm

Auf der Station „Leuchtturm“ gibt es insgesamt 21 Betten für Kinder und Jugendliche im Alter von 8–17 Jahren. Das Konzept entspricht einer offenen Gruppe, das heißt, jede Woche werden einige Kinder und Jugendliche aufgenommen und entlassen.

Die Schmerzstation „Paulas Haus“

In „Paulas Haus“ gibt es 8 Betten. Diese Station befindet sich in einem eigenen Haus direkt neben der Kinderklinik. Sie hat ein geschlossenes Gruppenkonzept, es werden alle Patient:innen zu einem festen Zeitpunkt aufgenommen und wieder entlassen.

Beide Stationen arbeiten nach demselben Schmerztherapiekonzept. Auf welche Station ein:e Patient:in aufgenommen wird, hat vor allem organisatorische Gründe. Kinder zwischen 6 und 10 Jahren werden mit ihrem begleitenden Elternteil in einem Zimmer in Paulas Haus aufgenommen.

Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie

Die Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) ist ein spezialisiertes, ganzheitliches Behandlungsprogramm. „Interdisziplinär“ bedeutet: Viele verschiedene „Disziplinen“ wie die Medizin, die Psychologie, die Pflege, die Physiotherapie und weitere Professionen arbeiten im Team gemeinsam, Hand in Hand, um dem Schmerz auf die Spur zu kommen und die bestmöglichen Behandlungsangebote machen zu können, die dann ineinander greifen. Chronische Schmerzen werden dabei nicht nur körperlich betrachtet, sondern im Zusammenspiel von Körper, Psyche und sozialem Umfeld verstanden. „Multimodal“ verweist darauf, dass die Therapie aus mehreren aufeinander abgestimmten Bausteinen besteht.

Bestandteile sind:

+ Ärztliche Schmerztherapie und Wissensvermittlung über Schmerz
+ Psychotherapeutische Begleitung und Physiotherapie und Bewegungstherapie
+ Künstlerische Therapie (Musik- und Kunsttherapie) und Entspannungsverfahren
+ Pädagogisch-pflegerische Begleitung (Alltagsstrukturierung / Aktivierung) und schulische Begleitung (nur außerhalb der Ferien in NRW)

Ziel ist nicht nur die Verringerung der Schmerzen, sondern vor allem die Verbesserung von Lebensqualität, Aktivität und Selbstwirksamkeit. Falls es nötig sein sollte, werden auch Ängste oder Sorgen der Kinder oder Familien in die Therapie mit einbezogen oder Probleme gelöst.

Das multiprofessionelle Behandlungsteam umfasst die Fachgebiete:

Medizin, Psychologie, Krankenpflege, Pädagogik, Physiotherapie, Motopädie, Kunsttherapie und Musiktherapie

Manualbasierte Behandlung

Die Behandlung orientiert sich an einem Manual, dass sechs große Behandlungsmodule umfasst. Die Module werden für jede Patientin und jeden Patienten individuell nach den eigenen Bedürfnissen und Schmerzbesonderheiten ausgestaltet. Die Wirksamkeit der Behandlung konnte in vielen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden. Die Studien zeigen eine deutliche Verbesserung der Schmerzproblematik und der psychischen Gesundheit bereits sechs Monate nach der Behandlung. Die positiven Therapieeffekte können bis zu acht Jahre nach der Behandlung nachgewiesen werden.

Modul 1

Wissensvermittlung & Zielklärung

Hier erklären wir die Entstehung von chronischen Schmerzen und erklären das Therapieziel „Du hast den Schmerz im Griff“.

Modul 2

Trainieren von Schmerzbewältigungs-Strategien

Schrittweise vermitteln wir den Patient:innen Techniken, um chronische Schmerzen „in den Griff“ zu bekommen.

Modul 3

Therapie relevanter Probleme

Was belastet in Schule, mit Freunden und/oder Familie und Behandlung weiterer psychischer Erkrankungen

Modul 4

Elternverhalten & Familientherapie

Wie kann das Kind bzw. der/die Jugendliche unterstützt werden, den chronischen Schmerz in den Griff zu bekommen?

Modul 5

Optionale Interventionen

Themen wie eine pharmakologische Behandlung bei Migräneanfällen und oder gezielte Physiotherapie werden hier u.a. erklärt.

Modul 6

Rückfallprophylaxe

Hier besprechen wir Strategien und Tipps um zu vermeiden, dass der Schmerz nach der Entlassung wieder die Kontrolle übernimmt.

Vor der ambulanten Erstvorstellung

Bevor wir einen Termin zum Erstgespräch vergeben, erhalten die Familien Online-Fragebögen – einen für die Eltern und einen für den/die Patient:in. Außerdem bitten wir bei allen Patient:innen vor der ersten Vorstellung um Zusendung aller Voruntersuchungen. In der Erstuntersuchung geschieht im Deutschen Kinderschmerzzentrum nichts, was weh tut. Keine Spritzen, kein Blutabnehmen. Sollte Ihr:e Patient:in dahingehend besorgt sein, können Sie sie/ihn beruhigen.

Hier erfahren Sie mehr:

Für Fachleute:

Im Rahmen der ambulanten Behandlung lernen Patient:innen einige Strategien zum Umgang mit Schmerzen kennen, die sie regelmäßig zu Hause anwenden und trainieren müssen.

Für Fachleute:

Sie kennen jemanden, der jemanden kennt, der Interesse hätte? Wir freuen uns über Teamplayer und Um die Ecke-Denker (m/w/d) aus unterschiedlichen Disziplinen.

Für Fachleute:

Unsere Fort- und Weiterbildungsabteilung bietet Fachleuten digitale und Präsenz-Fortbildungen zu den Themen pädiatrische Palliativversorgung und Schmerztherapie.